Werke

Requiem (Missa profunctis in d-moll)

„Seine unglaubliche Gewandtheit in weltlichen Dingen verdankt er eigentlich seinen geistlichen Kompositionen. Er hatte etwas gelernt!“. So formulierte kein geringerer als Johannes Brahms 1895 seinen Nachruf auf den Tod des „Schöpfers der deutschen Operette“ Franz von Suppè. Der 1819 in Split Kroatien geborene ist in seiner Jugend wie so manch andere Größe des Musiktheaters interpretatorisch wie schöpferisch in die Kirchenmusik seines österreich-ungarischen Heimatlandes eingebunden. Überhaupt galt: seine Liebe anfangs ausschließlich der „ernsten“ Musik. Für die Kirche schrieb er Messen und einen groß angelegten Psalm. Das vorliegende Requiem aber schuf Suppè erst 1855 zum Tode seines großen Gönners und Lehrers Franz Pokorny, des Leiters des Theaters an der Wien. Suppè führte in der autographen Partitur peinlichst genau Buch über die Aufführungen dieses seines Requiems bei den Totenfeiern verdienstvoller Wiener Bürger. Gewidmet aber hat er sein Werk „Seiner Heiligkeit, Papst Pius IX“. Das Requiem Suppès ist also keine Talentprobe eines jungen Musikers, keine reine Zufalls-Gelegenheits-Komposition am Rande eines völlig anders gearteten Gesamtschaffens, sondern ein von seinem Schöpfer ernst genommener Beitrag zur katholischen Liturgie. Und wenn man die Partitur durchsieht, dann kann man den Könner der Orchesterbehandlung, den Wisser gut klingender Vokallinien und den Beherrscher polyphoner Kompositionstechniken leicht erkennen: Großartig seine Chorfugen, wirkungsvoll seine Chorblöcke und farbenreich seine melodische Erfindung. Dieses Werk verdient neben die anerkannten und berühmten Requiem-Vertonungen der Musikgeschichte gestellt zu werden. Dem Verlag ist für die opulente Ausgabe, die auch das gesamte Aufführungsmaterial bereitstellt, nicht genug zu danken.

Eberhard Kraus

Quelle:
Musica Sacra 6/1996, S. 429/430 zur Ausgabe der Partitur im Carus-Verlag

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Franz von Suppé (1819 – 1895)
Franz von Suppé wird am 18. April 1819 in Split als Francesco Ezechiele Ermenegildo Cavaliere Suppé-Demelli geboren. Suppés Vater entstammt einer belgischen, später in Dalmatien lebenden Familie. Seine Mutter ist Wienerin. Bereits mit 8 Jahren singt Francesco im Kirchenchor der Kathedrale von Split, dessen Chorleiter Giovanni Cigalla ihm erste musikalische Kenntnisse vermittelt. Flötenunterricht erhält er vom Kapellmeister Giuseppe Ferrari. Mit fünfzehn Jahren beginnt er dann auf Wunsch seines Vaters eine Ausbildung zum Juristen an der Universität von Padua. In dieser Zeit besucht er häufig Mailand und sieht nicht nur die damaligen Opernaufführungen in der Scala, sondern tritt auch in persönlichen Kontakt mit Gioacchino Rossini, Gaetano Donizetti und dem jungen Giuseppe Verdi.

Der junge Suppé komponiert mit 16 Jahren sein erstes großes musikalisches Werk, eine Messe in F-Dur, die er aber erst vierzig Jahre später als Missa Dalmatica veröffentlicht. Nach dem Tod seines Vaters zieht er im September 1835 nach Wien und beginnt dort mit dem Medizinstudium, beendet dieses aber rasch wieder, um seine musikalische Karriere in Angriff zu nehmen. Er wird am Konservatorium Student von Simon Sechter und  Ignaz Xaver von Seyfried. Zur Finanzierung seines Studiums gibt er Italienisch-Unterricht. Schon ein Jahr nach seiner Ankunft in Wien vollendet Suppé 1836 eine weitere Messe und arbeitet an seiner ersten Oper "Virginia", die er im August 1837 fertig stellt. Das nach dem Libretto von Ludwig Holt erschaffene Werk wird allerdings nie aufgeführt.

Nachdem er seine Studien am Konservatorium 1840 beendet hat, findet der 21-jährige Suppé rasch eine Stelle als Kapellmeister am Theater in der Josefstadt. Diese Funktion übt er später auch im Theater an der Wien und ab 1865 am Carltheater aus. Auch als Komponist ist Franz von Suppé sehr produktiv. Seine Orchester- und Kammermusik wird allerdings wenig beachtet. Er schreibt Musik zu über 190 Possen und anderen Bühnenwerken, darunter zum Lustspiel "Dichter und Bauer" (1846).

Angeregt durch die Operettenerfolge von Jacques Offenbach in Wien, komponiert er 1860 seine erste einaktige Operette "Das Pensionat". Suppé begründet in den folgenden Jahren durch Anlehnung an die Elemente des einheimischen Volkstheaters die "Wiener Operette". Nach mehreren kleinen Bühnenwerken komponiert er 1876 seine erste abendfüllende Operette "Fatinitza".

Als Franz von Suppé am 21. Mai 1895 in Wien stirbt, hinterlässt über 200 Bühnenwerken, meist Operetten, von denen die Ouvertüren zu "Dichter und Bauer" und "Leichte Kavallerie" am bekanntesten sind. Seine Operette "Boccaccio" gehört noch heute zum Standardrepertoire vieler Operettenbühnen.
   

Quellen:
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Text: Auszug aus Operetten-Lexikon Online, Operetten-Lexikon